25 | 09 | 2018

St. Clemens Kirche

 
St. Clemens Kirche
Kirchplatz
56727 Mayen

Pfarrer

1909 -1921 Julius Schmidt
1921 -1926 Jakob Fröhner
1926 - 1958 Johannes Thees
1959 - 1977 Hermann Waßmuth
1977 - 2009 Ludwig Müller
seit 2009      Matthias Veit

Mit ihrem schiefen Turm ist die Clemenskirche das Wahrzeichen Mayens.

Der Bau dieser gotischen Hallenkirche wurde von den Augustiner Chorherren aus Lonnig zwischen 1350 und 1360 begonnen. Ausgrabungen zu folge gab es an gleicher Stelle schon im 7. Jahrhundert eine kleine Holzkirche, die 200 Jahre später durch eine lange schmale Hallenkirche aus Stein ersetzt wurde. Um das Jahr 1000 folgte eine größere Saalkirche und im 12. Jahrhundert eine dreischiffige romanische Kirche aus Mayener Stein und Grauwacke. Von diesem Gotteshaus ist noch der so genannte „Eulenturm“ erhalten, der wuchtig und gedrungen neben dem Schiefen Turm steht.

Die dreischiffige St. Clemenskirche mit einem durchgehenden Dach und ohne Querschiff gebaut, ist eine der ältesten gotischen Hallenkirchen im Rheinland.   
Der Bau der Kirche ging mühsam voran. Aus diesen Jahren rührt wohl auch die Sage vom Teufel, der zur Mitarbeit gewonnen werden konnte, weil er glaubte, er baue an einem Wirtshaus mit. Als er sah, dass die Mayener ihn genasführt hatten und ein Gotteshaus vor ihm stand, versuchte er den Turm zu brechen. Aber St. Clemens hinderte ihn daran. So reichte  seine Kraft nur zur schiefen Drehung. Fachleute  führen die gewundene Form auf Baufehler zurück.

Bei einer umfassenden Renovierung im 1896 – 1899 wurde die Kirche im Innern in kräftigen Farben und gotisch nachempfundenen Ornamenten ausgemalt.

In den Kriegjahren 1944 und 1945 wurde die Kirche durch Bomben sehr stark zerstört. Nur der Eulenturm und Mauerteile blieben erhalten. Zwischen 1950 und 1953 gelang der Wiederaufbau sehr rasch. Der Schiefe Turm wurde an der Technischen Hochschule Karlsruhe eigens konstruiert und von Mayener Zimmerleuten gebaut. 1974 wurde die Kirche noch einmal vollständig restauriert. Dabei wurden auch die zerstörten Maßwerke in den Fenstern rekonstruiert. Die neuen Chorfenster wurden von Georg Meistermann 1976 entworfen und stellen den auferstandenen Christus dar, der seinen Geist in die Welt sendet.

Neben den Fenstern birgt die Clemenskirche noch weitere Kunstwerke, wie das Sakramentshaus, das moderne Tiptychon (von 1994), die Rosette über der Orgelempore (Meistermann), den gotischen Taufbrunnen, die Orgel (Fischer und Krämer), sowie ein Kreuzweg und verschiedene Heiligenfiguren.

 

 

 

 

 

   

 

Die Orgeln in St. Clemens

Die Geschichte der Orgeln in der Mayener Clemenskirche lässt sich erst nach 1803 lückenlos dokumentieren. Nachweisbar ist aber bereits eine Orgel im Jahre 1537, wie eine Rechnung aus selbigem Jahr belegt. Der aus Saffig stammende und später in Koblenz ansässige Orgelbauer Peter Briessger hat damals an der Orgel der Clemenskirche gearbeitet.

1803 "Stumm - Orgel"

Im Jahre 1803 erwarb man einesder ersten Instrumente des Stammvaters der Orgelbaudynastie Stumm, Johann Michael Stumm (1683-1747). Allerdings kam das zweimanualige Werk über Umwege nach Mayen, wurde es im Jahre 1728 doch zunächst für die Franziskanerkirche in Koblenz erbaut. Im Zuge der Säkularisation wurde es um 1803 nach Mayen versetzt.

Doch auch hier sollte die Orgel nicht lange verbleiben, sie wurde 1875 für 800 Taler nach Nachtsheim verkauft. Von dort ging das Instrument dann 1936 zu seinem jetzigen Standort, der Doppelkirche in Schwarzrheindorf bei Bonn.

Von der Originalsubstanz ist jedoch nur noch wenig übrig geblieben.   

 

1876  "Dasbach - Orgel"

Die Pfarrkirche in Mayen erhielt stattdessen ein neues Orgelwerk von Peter Dasbach aus Obersteinebach/Westerwald. Laut Revisionsprotokoll vom 15.03.1876, ausgefertigt von Dommusikdirektor Michael Hermesdorff aus Trier, hatte die Orgel folgende Disposition:

I. Manual II. Manual Pedal
Principal 8’ Principal 8’ Principalbass 16’
Bordun 16’ Salicet 8’ Subbass 16’
Viola di Gamba 8’ Fernflöte 8’ Octavbass 8’
Offenflaut 8’ Flöte travers 8’ Violon 8’
Hohlpfeife 8’ Hohlflöte 8’ Spitzflöte 4’
Octave 4’ Octave 4’ Posaune 16’
Flöte 4’ Rohrflöte 4’  
Quinte 2 2/3’ Nasard-Quinte 2 2/3’  
Octave 2’ Octave 2’  
Cornett 4’ Clarinette, Krummhornbasso 8’  
Mixtur 2’ 4-fach    
Trompete 8’    


1913 1. "Stahlhut - Orgel"  

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erneute Bestrebungen zur Veränderung der Orgelsituation. Im Jahre 1912 kam man mit der Orgelbaufirma Stahlhuth aus Aachen ins Geschäft, die bereits 1910 eine große Orgel in der benachbarten Abteikirche Maria Laach erbaut hatte. Der Dispositionsentwurf vom 05.04.1912 lässt deutlich den spätromantischen Zeitgeschmack erkennen: 

I. Manual II. Manual (schwellbar) Pedal
Bordun 16’ * Principal 8’ Principal 16’ *
Principal 8’ Hohlflöte 8’ * Subbass 16’ *
Flute harm. 8’ Violine 8’ Octavbass 8’ *
Gambe 8’ Quintatön 8’ Flöte 4’ *
Gedackt 8’ * Aeoline 8’ Posaune 16’ * (Becher alt)
Dolce 8’ Unda maris Lieblichgedackt 16’
Vox coelestis Octave 4’ Cello 8’
Octave 4’ Rohrflöte 4’  
Traversflöte 4’ * (früher 8’) Cornett *  
Quinte 2 2/3’ * Octavin 2’  
Octave 2’ * Oboe 8’  
Mixtur 3-4 fach    
Trompete 8’ * (Becher teilw. alt)    

Die mit * gekennzeichneten Register wurden aus der alten Orgel übernommen.

Coppeln: II-I, II-I Octav, II Octav, I-Ped., II-Ped.,
8 feste Combinationen, 1 freie Combination, Rollschweller (Registercrescendo),
Jalousieschweller, Absteller 16’, Zungenregister und Cornett,
Manualumfang C-g’’’, Pedalumfang C-f’

Am Sonntag, den 03.08.1913, gab es eine Vorführung der neuen Orgel unter Beteiligung des Kirchenchores. Dabei wirkte auch Orgelbauer Eduard Stahlhuth persönlich als Organist mit. Daneben Pater Willibrord Ballmann aus Maria Laach und der Kgl. Seminar-Musiklehrer Müller aus Boppard.

Die alte Dasbach-Orgel wurde in die neu errichtete Herz Jesu Kirche in Mayen übertragen. Im Jahre 1926 erbaute die Firma Stahlhuth auch hier ein zweimanualiges Instrument mit 33 Registern.

1956 2. "Stahlhut  - Orgel" 

Beide Stahlhuth-Orgeln wurden im Jahre 1944/1945 infolge der Bombardierung Mayens zerstört. Während die Herz Jesu Kirche 1959 eine Orgel der Firma Klais erhielt, wurde nach dem Wiederaufbau der Clemenskirche abermals die Aachener Firma Stahlhuth mit dem Neubau einer Orgel beauftragt. Es entstand ein Instrument mit zeittypischem Freipfeifenprospekt und einem neobarocken Klangbild. Die Weihe mit dem damaligen Organisten der Abtei Maria Laach, Pater Anselm, fand am 25.11.1956 statt.

Disposition der Stahlhuth-Orgel (1956) 

I. Manual (Hauptwerk) II. Manual (Positiv) III. Manual (Schwellwerk)
Quintade 16’ Holzpommer 8’ Rohrgedackt 8’
Prinzipal 8’ Sing. Prinzipal 4’ Weidenpfeife 8’
Holzflöte 8’ Blockflöte 4’ Prinzipal 4’
Spitzgedackt 8’ Superoktave 2’ Rohrflöte 4’
Oktav 4’ Sifflöte 1 1/3’ Oktav 2’
Gemshorn 2’ Scharff 2/3’ 4 fach Terzzimbel 3 fach
Sesquialter 2 fach Rohrschalmey 8’ Mixtur 1’ 4 fach
Mixtur 1 1/3’ 5 fach Dulcian 8’  
Trompete 8’  Tremolo  
     
Pedal
Prinzipalbaß 16’ Gedacktbaß 8’ Rauschpfeife 4 fach
Subbaß 16’ Choralbaß 4’ Posaune 16’
Oktave 8’    

2 freie Kombinationen, 8 Koppeln, Register- und Jalousieschweller, Pedalumschaltung, Tutti, elektro-pneumatische Traktur, fahrbarer Spieltisch,
Manualumfang C-g’’’, Pedalumfang C-f’

 

1997 "Fischer & Krämer - Orgel

Da sich die Nachkriegsorgel bereits nach wenigen Jahrzehnten als sehr störanfällig erwies, wurde 1984 ein Orgelbauverein gegründet, um die Mittel zum Bau einer neuen Orgel zu beschaffen. Nachdem verschiedene Angebote vorgelegt wurden (so unter anderem von den Firmen Klais, Oberlinger und Schuke), bekam am Ende die Firma Fischer&Krämer aus Endingen/Kaiserstuhl den Zuschlag. Es entstand ein modernes Instrument mit 42 Registern, welches am 05.10.1997 unter Kantor Stephan Herz eingeweiht wurde. Das zweigeteilte Werk umrahmt die von Georg Meistermann geschaffene Fensterrosette und hat folgende Disposition: 

I. Manual (Hauptwerk) II. Manual (Positiv) III. Manual (Schwellwerk)
Bourdon 16’ Copula 8’ * Geigenprincipal 8’
Principal 8’ Salicional 8’ Holzflöte 8’ *
Rohrflöte 8’ Principal 4’ Viola di Gamba 8’
Octave 4’ Rohrflöte 4’ Voix céleste 8’
Blockflöte 4’ Waldflöte 2’ Principal 4’
Quinte 2 2/3’ Larigot 1 1/3’  Flute octaviante 4’
Superoctave 2’ Sesquialter 2 fach Nasard 2 2/3’
Cornet 8’ 5 fach Mixtur minor 1’ 3 fach Flageolet 2’
Mixtur major 1 1/3’ 4-5 fach Cromorne 8’ Terz 1 3/5’
Trompete 8’ Tremulant Fourniture 2’ 5-fach
    Basson 16’
     Trompette harm. 8’
    Hautbois 8’
    Clairon 4’
    Tremulant
     
Pedal
Principal 16’ * (C-H alt) Octavbaß 8’ Hintersatz 2 2/3’ 4 fach
Subbaß 16’ * Gedecktbaß 8’ * Bombarde 16’
Quintbaß 10 2/3’ Tenoroctave 4’ Trompete 8’

 Die mit * gekennzeichneten Register stammen aus der alten Orgel

Koppeln II-I, I-P, II-P mechanisch, Koppeln III-I, III-II, III-P und III-P4’ elektrisch, Schleifladen, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, Setzeranlage,
Manualumfang C-g’’’, Pedalumfang C-f’

Thomas Schnorr

 

Quellen:
Pfarrarchiv St. Clemens
Archiv der Firma Stahlhuth
Bösken, Fischer, Thömmes:  „Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins“

  

 

 

 Die „Stumm-Orgel“ am heutigen Standort in Schwarzrheindorf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 Die Stahlhuth-Orgel von 1956

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fischer&Krämer-Orgel aus dem Jahre 1997

 

 

 

 

 

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