18 | 10 | 2018

Kehriger Firmlinge besuchten Senioren im Heim

Ein soziales Projekt war den Jugendlichen nicht genug

30 Grad im Schatten. Super Wetter, um im Freibad abzutauchen. Sieben Firmlinge aus Kehrig widerstanden der Versuchung. Freiwillig verbrachten sie stattdessen einige Stunden im Caritas-Altenzentrum St. Johannes/St. Raphael in Mayen, um Bewohnern ein wenig Abwechslung zu bringen. Von dem ungewöhnlichen Wunsch der Jugendlichen war Firmbegleiterin Steffi Schäfer noch überrascht worden, als das „Pflichtprogramm“ zur Vorbereitung auf die Firmung eigentlich schon absolviert war: Gottesdienst-Teilnahmen, Gestaltung einer Messe und auch die Betreuung eines sozialen Projektes – die Spendensammlung für Angehörige eines tödlichen verunglückten jungen Studenten aus Mayen (wir berichteten) -, all das war im Firm-Begleitheft als erfüllt vermerkt.

Doch damit wollten sich einige der Firmlinge offenbar nicht begnügen: „Auf ihr Drängen habe ich vorgeschlagen, das Seniorenheim zu besuchen“, berichtet Steffi Schäfer. Als ausgebildete Krankenschwester und erfahren im Umgang mit älteren Herrschaften war ihr freilich bewusst, worauf sich ihre Schützlingen einlassen wollten. Körperliche und seelische Beeinträchtigungen haben schließlich im Alter maßgeblichen Einfluss auf die Lebensqualität, also auch auf Stimmung und Gemüt. Doch Schwellenangst und Kontaktscheu waren schnell besänftigt, nachdem Ehrenamtskoordinatorin Heike Becker die jungen Besucher ebenso ausführlich wie einfühlsam mit den Besonderheiten einer Senioreneinrichtung und ihrer Bewohner vertraut gemacht hatte. Berühungsängste? Die bauten vor allem die Besuchten selbst sehr schnell ab, und obwohl die sommerliche Hitze auch ihren „Forscherdrang“ dämpfte, genossen sie die Abwechslung spürbar. Ein paar gemeinsame Spiele, Fragen nach Herkunft, Lebensweg und den Anforderungen im Alltag – und schon bald war nicht mehr klar, wer neugieriger auf sein Gegenüber war, wer mehr Spaß an dem Besuch hatte. „Ich glaube,“ mutmaßte Steffi Schäfer später, „unsere Firmlinge, von denen die meisten noch ihre Großeltern haben, haben hier erfahren, wie wichtig der Respekt im Umgang mit älteren Menschen ist, wie dankbar sie aber auch schon für kleine Gesten der Aufmerksamkeit sind. Von dem Besuch haben ganz sicher beide Seiten profitiert.“ Wer's als Jugendlicher selbst ausprobieren will: Das Altenzentrum der Caritas in Mayen nimmt immer gern Bewerbungen von Praktikanten entgegen, versichert Ehrenamtskoordinatorin Heike Becker.

Text und Bild Eberhard Wenzel