22 | 07 | 2017

10.-12.12. 2015 - 6. Vollversammlung

Dem Kirchenjahr mit seinen Anforderungen geschuldet, kommt mein Blitzlicht zur 6. Vollversammlung spät, erst nach den Weihnachtsfeiertagen und der Jahreswende. Also kein Blitzlicht mehr, das diesen Namen verdient, sondern eher - um im Bild zu bleiben - ein länger belichtetes Foto.

Noch gut im Ohr ist mir ein kurzes Statement einer Synodalen während des Eröffnungsgottesdienstes am ersten Abend der 6. Vollversammlung. Sie sagte: „Achtung und Respekt erfüllen mich vor den zu treffenden Entscheidungen. Die Verantwortung, die wir tragen, ist allgegenwärtig.“ Damit brachte sie zum Ausdruck, was wohl viele so empfanden. Bischof Stephan lobte die bislang geleistete Arbeit der Sachkommissionen und der siebenköpfigen Arbeitsgruppe, die seit der 5. Vollversammlung, ja man kann sagen die Mammutaufgabe hatte, die Empfehlungen der Sachkommissionen zu sichten und unter bestimmten Kriterien zu ordnen, um diese für uns zur Weiterarbeit aufzubereiten. Das ist erstaunlich klar gelungen.

Was zeichnet sich ab? Drei „rote Fäden“, so das Urteil der Arbeitsgruppe, durchziehen übergreifend alle Sachkommissionen, drei Perspektivenwechsel, wie wir sie nennen, drei neue Sichtweisen. Sie wurden beschrieben und zur Diskussion gestellt. Zuerst:

1. Vom Einzelnen her denken! Vom Rand her. Und dies mehr als bisher. Bisher hat die Kirche viel vorgegeben; in Schemata gepresst. Die Fragerichtung war bisher überwiegend:  Wie machen wir den Einzelnen für uns als Kirche „passend“? Es kann jedoch z.B. in der Sakramentenvorbereitung die  „automatische“ jahrgangsweise Vorbereitung zur Erstkommunion nicht mehr allein die Hinführung von Kindern zum Glauben sein. Es braucht eine größere Vielfalt. Die Kirche soll aktiv fragend auf die Menschen zugehen und nicht passiv antwortend bleiben. Eine solche veränderte Sicht, so die Wortbeiträge in der Diskussion, ist freilich nur dann vertretbar, wenn dem Einzelnen auch die Gemeinschaft „zugemutet“ wird. Kirche will nicht beim Einzelnen stehen bleiben, oder gar in die Vereinzelung führen, sondern die Gemeinschaft der Christusgläubigen sein. Die große Frage bei diesem Perspektivenwechsel wird allerdings sein: Haben wir die Ressourcen, die Kräfte, um einer Pastoral, die dem Einzelnen nachgeht, gerecht zu werden? Und will der Einzelne das überhaupt in solcher Intensität?

2. Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen! So formuliert die Arbeitsgruppe den zweiten Trend, der sich aus den Texten der Sachkommissionen ableitet. Charismenorientierung vor Aufgabenorientierung! Ein Vergleich mag das Gemeinte veranschaulichen: Entweder habe ich ein Rezept und ich besorge nach dieser Vorgabe die Zutaten. Oder ich sehe nach, welche Zutaten bereits da sind und ich koche dementsprechend. Also: Nicht  zuerst darauf schauen, was uns fehlt, sondern auf das schauen, was uns geschenkt ist, was da ist. Trauen wir dem Geist Gottes zu, dass es Begabungen („geistliche Persönlichkeiten“ so Pater Meurers) in den Gemeinden für den Aufbau derselben gibt? Trauen wir Ihm zu, dass die Kirche bunter ist, als wir ihr zugestehen? Eine solche Sichtweise braucht natürlich „Mut zur Lücke“. Und sie  kann auch folgende Fragen nicht ausblenden: Welche Tätigkeiten lassen wir, wenn uns in bestimmten Bereichen kirchlichen Lebens Begabungen nicht geschenkt sind? Und andererseits, welche Aufgaben sind unverzichtbar, weil sie zum Wesen der Kirche hinzugehören? Der beschriebene Perspektivenwechsel, diese neue Einstellung, kann uns aus der Falle herausführen, im Herkömmlichen heiß zu laufen, vor allem dann, wenn der erwartete Erfolg ausbleibt.

3. Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern. Dies ein dritter Leitgedanke, der sich aus der Gesamtschau der Empfehlungen der Sachkommissionen ergibt. Und dieser Perspektivenwechsel hat es in sich! Er gibt die bisherige kleinteilige Pfarreistruktur auf, und damit auch das Prinzip „Überall muss es alles geben“, welches jetzt schon viele Gemeinden heillos überfordert. Er verabschiedet sich von einer flächendeckenden „Versorgung“, letztlich auch eine Konsequenz der beiden anderen Perspektivenwechsel. Die Pfarrei der Zukunft sieht die Synode als netzwerkartiges Gebilde in einem viel größeren Raum als wir ihn jetzt mit dem Begriff Pfarrei in Verbindung bringen. Die Zahl 60! Pfarreien (statt der jetzigen 173 Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften) wurde im Laufe der Beratungen als Orientierungshilfe festgehalten. Netzwerkartig bedeutet: Im großen seelsorglichen Raum wird es kirchliches Leben in unterschiedlichen Akzenten, in unterschiedlichen Ausprägungen geben. So soll es (unter Berücksichtigung des Sozialraumes) Orte geben, die stärker die Feier der Gottesdienste vorhalten, andere könnten einen diakonisch-caritativen Schwerpunkt haben, wieder andere sich stärker mit der Kinder- und Jugendarbeit befassen oder katechetische, missionarische Zentren bilden. Die Gefahr der Überdehnung ist ausgesprochen; auch die Befürchtung sich noch weiter von den Menschen zu entfernen.  Andererseits können durch Schwerpunktbildungen, so die Hoffnung, Menschen gezielter angesprochen werden und neue Freiräume für die entstehen, die sich in diesen Feldern engagieren. Hauptamtliche werden dabei nicht mehr allein „die Macher“ sein, was sie ja auch jetzt schon nicht mehr sind! In ihrer Rolle werden sie mehr Charismensucher und Begleiter sein.

Diesen drei Sichtweisen haben die Synodalen nach intensiver und ausführlicher Debatte mit großer Mehrheit zugestimmt. Sie geben, wenn man so will, die Entwicklungsrichtung der Kirche von Trier an, die die Synode dem Bischof empfehlen wird. Alle ins Detail gehenden Einzelempfehlungen sind zudem von den Synodalen unter dem Gesichtspunkt bewertet worden, ob sie eine solche Entwicklung fördern oder nicht. Eine Redaktionskonferenz steht nun vor der anspruchsvollen Aufgabe, die Vorlage für das Abschlussdokument der Schlussvollversammlung Ende April zu formulieren und vorzulegen.

Wie soll ich meine Gefühlswelt beschreiben? Auch mit Abstand zur letzten Vollversammlung: Verlustängste sind da, das Gefühl der Bedrängnis, aber auch Neugierde gepaart mit gelassener Zuversicht. Veränderung liegt in der Luft. Wir werden viel Mut brauchen uns vom Herkömmlichen zu lösen, vor allem die innere Bereitschaft, uns auf neue Formen von Kirche einzulassen. Ob es der „große Wurf“ werden wird!? 

   
Schokolade, Licht und etwas gegen die anfliegende Erkältung! Synode, so menschlich! 

Auch in den Pausen wird rege diskutiert

 

Und immer wieder ergreift auch die Jugend das Wort

 

     
Mehr als einmal geht die "Ampel" auf Grün! Abstimmungen reihen sich an Abstimmungen Ob es der große Wurf wird? Ein Sportgerät in der Synodenaula Kommt lasset IHN anbeten! Ein Blick in die kleine Kapelle neben der Aula.