28 | 05 | 2017

05.09.2015 - 5. Vollversammlung - 3. Tag

Irgendwie lag es in der Luft. Auch die Sachkommission V „Den Glauben an vielen Orten leben“ erläuterte durch einen Vertreter ihre Thesen. Sie musste sich die Kritik gefallen lassen, was daran denn neu sei, die alten Orte des Glaubens zu stärken: die Schulen, hier speziell den kath. Religionsunterricht, die Kindertagesstätten u. a.?  Dennoch erhielt diese Sachkommission in der herbeigeführten Probeabstimmung hohe Voten seitens des Plenums. Vielleicht brauchte es genau dies, damit die Krise unausweichlich wurde! Oder hatte gar der Heilige Geist die Hand mit im Spiel?

Kurz vor Mittag ergriff Bischof Stephan das Wort. Er lobte die differenzierte Debatte, stellte aber fest: Wenn die Synode weiter so verfahre, d.h. alle Empfehlungen mit hoher Mehrheit durchwinken werde, helfe ihm das nicht weiter. Die Synodalen müssten klarer benennen, welchen Empfehlungen sie den Vorzug geben, und welche sie unter Berücksichtigung möglicher Konsequenzen, ablehnen. Das Wort des Bischofs irritierte für den Moment total. Die Synode stockte aufs Ganze. Fragende Gesichter. Haben wir falsch gearbeitet? Auf die falschen Methoden gesetzt? Nicht wenige waren erschrocken, aber Bischof Stephan hatte mit seinem Zwischenruf genau das „Problem“ genannt, in das sich die Synode hineinmanövriert hatte. Die Vorschläge der Sachkommissionen stehen noch zu unverbunden nebeneinander. Es ist dringend angezeigt, sich auf gemeinsame Grundanliegen zu verständigen. Wir brauchen so etwas wie ein „Konzentrat“ aller Sachkommissionen. Was lassen wir hinter uns? Was machen wir neu? Was behalten wir? Wichtig ist dabei das „Zukunftsbild“ von Kirche, auf das wir uns einigen. Es kann als Kompass dienen.

Nach einer halbstündigen Sitzungsunterbrechung fand die Synode schnell wieder in den „Betriebsmodus“ zurück. Der berühmte rote Faden war wieder da. Man vereinbarte mit meist über 90 %  Ja-Stimmen folgendes Vorgehen:

  • Die noch ausstehenden Kommissionen präsentieren ihre Empfehlungen bei der nächsten Vollversammlung im Dezember.
  • Eine Arbeitsgruppe versucht bis dahin, ausgehend vom bisherigen Stand der Beratungen, Zielkonflikte herauszufinden (das sind Ziele, die sich gegenseitig blockieren). Sie versucht zudem die großen Linien, die es zwischen den Sachkommissionen gibt, zu benennen. Sie überlegt sich einen Weg, wie diese priorisiert, d.h. von den Synodalen in eine Rangordnung  gebracht werden können.
  • Zeitgleich formuliert der Bischof seinerseits Vorbehalte (Anfragen und Bedenken), die er zu verschiedenen Empfehlungen hat und macht sie schon im Vorfeld zur nächsten Vollversammlung allen Synodalen zugänglich.
  • Die 6. Vollversammlung im Dezember wird um einen Tag verkürzt, und eine zusätzliche Vollversammlung für das Frühjahr 2016 anberaumt.
  • Nach der Vollversammlung im Dezember erstellt eine „Redaktionskommission“ den Entwurf für ein Abschlussdokument, über das in der 7. Vollversammlung beraten und abgestimmt wird.    

Kann das gut gehen? Mit dieser Frage bin ich angereist. Es ist (noch mal) gut gegangen! Ein Wandlungsprozess lebt nun einmal von Krisen. Auch wenn es Beteiligte mitunter ganz schön rüttelt und schüttelt. Nur so kommen wir voran.