22 | 07 | 2017

04.09.2015 - 5. Vollversammlung - 2. Tag

Die Nachtruhe tat gut, obwohl ein Bautrupp schon in aller Herrgottsfrühe vor meinem Hotelzimmer mit ihrem Tagwerk begann. Was soll´s. Ich musste sowieso aufstehen. Um 8.30 Uhr sollten alle wieder pünktlich am Tagungsort in Saarbrücken Burbach sein. Wir feierten miteinander die Hl. Eucharistie. Irgendwie tröstlich: Der Ort erregter Debatte gestern, jetzt Ort der Begegnung mit IHM. Wie heißt es in der Offenbarung des Johannes: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“ (Offb. 3,6) Ich habe es versucht! Geistlich gestärkt ließen die Synodalen sich auf die vorgesehene Tagesordnung ein. 

Die Ruhe vor dem SturmDen Anfang machte die Sachkommission I „Diakonisch sein“. Komprimiert stellten zwei Vertreter der Gruppe deren Positionen vor. Es blieb dann genügend Zeit zur Diskussion und zur Meinungsbildung. Gut gefallen haben mir zwei „Bilder“, die uns im Gottesdienst am Vorabend als mögliche Zukunftsbilder für Kirche angeboten worden waren, und die jetzt wieder aufgegriffen wurden. Das Bild von der Kirche als „Herberge“ und der Kirche als „Weggefährtin“. Eine Herberge ist immer ein Ort der Barmherzigkeit, der Fürsorge, für den, der eintritt. Und eine Weggefährtin ist jemand, der mitgeht, der an der Seite des Menschen bleibt. In der Tat machen wir uns erkennbar! Die Kirche von Trier soll in Zukunft noch entschiedener diakonisch sein. Nicht nur die guten Bürger, auch die „anderen“ gehören dazu. Dorthin gehen, wo die Leute leben, ohne Ausnahme. Den Sozialraum im Blick haben. Den Geruch der Schafe annehmen, wie Papst Franziskus es in seiner unnachahmlichen Art gesagt hat. Darauf kommt es an. Organisierte Caritas und Kirchengemeinden sollten sich noch viel mehr als bisher verbünden. In Probeabstimmungen erhielt die Sachkommission breite Zustimmung.

„Geht in alle Welt ..“ Dem Missionsauftrag Jesu kann sich auch die Kirche von heute nicht entziehen. Die Sachkommission II mit dem Titel „Missionarisch sein“ hat sich die frz. Mystikerin Madeleine Delbrel zur Leitfigur erwählt. „In dieser Welt Inseln göttlicher Anwesenheit sein“ war nur ein Satz von ihr, den die Sachkommission ihren Ausführungen programmartig voranstellte. Mission stellt sich in den Dienst der Verkündigung, der Evangelisierung. Mission will aber nicht überrumpeln; sie ist in gewisser Weise „absichtslos“. Alle Getauften sind Jüngerinnen und Jünger, Missionarinnen und Missionare, oder besser gesagt: Sie könnten es sein. Wenn wir als Kirche nicht ganz verbürgerlicht enden wollen, gilt es die Idee des „Wanderpredigers“ neu zu entdecken und zu leben. Diesen Gedanken setzte die Sachkommission in ihrem Vorschlag um, „missionarische Teams“ im Bistum Trier möglich zu machen. Gemeint sind damit kleine Gruppen Freiwilliger, die neu und unverbraucht auf Zeit (für mindestens 1 Jahr), unanhängig von gängigen Pfarrstrukturen, in den Milieus sogenannter Fernstehender einfach mitleben. Als Vorbild können positive Erfahrungen aus der Weltkirche dienen. Ohne Frage, dieser Vorschlag ließ aufhorchen, auch wenn man sich das noch nicht so recht vorstellen kann. Genauso fand auch die Handlungsempfehlung, analog zum Freiwilligen sozialen Jahr (FSJ), im Bistum Trier ein Freiwilliges missionarisches Jahr (FMJ) einzurichten, in dem Menschen mit missionarischen Charismen sich ausprobieren können, Anerkennung.

An der großen Leinwand werden Abstimmungsergebnisse für alle "blitzschnell" sichtbarTja, und dann war die Sachkommission III „Zukunft der Pfarrei“ an der Reihe, von der Thematik her ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt dieser Synode. Auch wenn der voll gepackte Synodentag schon vorangeschritten war, die Aufmerksamkeit war hoch. Konzentriert verfolgten alle den Ausführungen und zahlreichen Redebeiträgen. Die Sachkommission III will den Begriff Pfarrei nicht mehr gleichsetzen mit der bisherigen Pfarrgemeinde bzw. Pfarrfamilie, sondern meint einen weiten Raum, größer als die bisherigen Pfarreiengemeinschaften, innerhalb dessen viele Kirchenformen zulässig sind, angefangen vom zentralen Pfarrort, an dem die Grundvollzüge von Kirche (wie z.B. die Sakramentenspendung) sicher gestellt sind, über kleine Basisgemeinschaften vor Ort (wählen Gemeindeverantwortlichen) bis hin zu „Themenzentren“ , wie z.B. Familienbildungsstätte, Altenheim, Jugendkirche, Flüchtlingsinitiativen u.a. mehr. Die Sachkommission verabschiedet sich von der Vorstellung, dass es überall alles geben muss. Doch die Hoffnung ist groß, dass Menschen neu aus einer Vielfalt von christlichen Gemeinschaftsformen und Orten wählen können, wo und in welcher Form sie ihren Glauben entdecken und leben möchten. 
Wenn wir in dieser Weise eine lebendige Kirche wollen, brauchen wir Getaufte, die für bestimmte Bereiche Verantwortung übernehmen. Die Übertragung von Leitungsaufgaben mit allen Rechten und Pflichten wird dabei unabdingbar sein.  Hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger unterstützen, inspirieren, qualifizieren. Das Leitungsgremium kann um bis zu zwei ehrenamtliche Mitglieder erweitert werden. Die Verwaltungsaufgabe liegt in professioneller Hand. Es muss noch geprüft werden, wie viel Leitung für den zuständigen Pfarrer (Priesterteam) kirchenrechtlich unverzichtbar ist. An Hauptbedenken wurden geäußert: Die Umsetzung des Strukturplanes 2020 war schon alles andere als befriedigend, wie soll nun diese Modell den Erwartungen gerecht werden? Kann auf diese Weise Verlebendigung von Kirche geschehen? Haben wir genügend Priester, die sich die Leitung solcher komplexer Gebilde zutrauen? Wie kann in solch räumlich ausgedehnten Pfarreien Nähe zu den Menschen entstehen? Andererseits, was wäre eine gangbare Alternative? Wenn wir „zu klein“ denken, zu kurz springen, stehen wir in absehbarer Zeit wieder vor der Wand.

Ich weiß nicht, ob man es nach diesen wenigen Eindrücken, die ich zu schildern versucht habe, nachempfinden kann: All das konnte einen richtig schwindelig werden lassen. Zuversicht und Befürchtungen fielen oft in einer Wortmeldung zusammen, wie diese Bemerkung eines Synodalen zeigt „Wenn wir Menschen Verantwortung zutrauen, dann finden wir die auch!  Wenn wir die nicht finden, dann gibt es uns nicht mehr!“ Also, ich will doch Ersteres hoffen!