28 | 05 | 2017

03.10.2014 - 3. Vollversammlung - 2. Tag

Zuerst jeder für sich

Am Vormittag blieb jede Sachkommission zur Beratung für sich. Im internen Kreis hatte auch die Sachkommission, der ich angehöre, „Familie in all ihrer Vielfalt in Kirche und Gesellschaft und Geschlechtergerechtigkeit“ genügend Zeit ihre bisherigen Überlegungen zu bündeln und Erkenntnisse vom Vorabend aus den anderen Sachkommissionen mit aufzunehmen. Es entwickelte sich unter uns eine lebhafte Debatte. Die Kluft zwischen der Lehre und der Lebenswirklichkeit vieler Gläubiger ist unverkennbar. Gerade im Bezug auf die Lebensformen, die nach offizieller Lesart „nicht in Ordnung sind“ wie z.B. geschieden Wiederverheiratete oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften wurde uns klar, dass eine Änderung unserer Haltung dringend angezeigt ist. Wir stellen uns eine Kirche vor, die nicht marginalisiert, d.h. Menschen nicht an den Rand drängt, sondern ihnen eine Heimat gibt. Wie sagte es Papst Franziskus im Zugehen auf die Bischofssynode zum Thema „Familie“ in Rom: „Eure Berufung ist es nicht, Wächter über eine gescheiterte Masse zu sein, sondern Beschützer der Freude am Evangelium. Deshalb dürft ihr euch nicht den einzigartigen Reichtum rauben lassen, den wir schenken können, den sich die Welt nicht selbst geben kann: die Freude über Gottes Liebe!“ In der Haltung der Kirche gegenüber den Menschen von heute muss man die Haltung Jesu gegenüber den Menschen von damals wieder erkennen können, sonst ist sie nicht glaubwürdig! 

Dann Beratung im Plenum

Nachmittags begannen dann die ersten vier Sachkommissionen den Stand ihrer Beratungen im Plenum vorzustellen. Jede und jeder Vorsitzende hatte zehn Minuten Zeit ein Statement abzugeben, eventuellen Beratungsbedarf zu formulieren und Hinweise aus der Vollversammlung entgegenzunehmen. Dadurch sollte jede Sachkommission Anregungen für ihre weitere Arbeit mitbekommen. Der Hinweis, dass sich ein Vogel in die Synodenaula verirrt habe, sorgte kurzfristig für Heiterkeit. Der Hl. Geist ist also wirklich mit dabei! Zumindest lag diese Deutung nahe. Und sie tat gut. 

Besondere Aufmerksamkeit bekam die Sachkommission III, „Zukunft der Pfarrei“ geschenkt. Ihre Richtungsideen werden Auswirkungen auf die anderen Themenfelder haben. Die Feststellung der Gruppe klingt hart: Die alte Pfarrei ist am Ende. Wie aber wird die Neue aussehen? Ein Spannungsbogen tut sich auf, von „Kirche ganz weit“ und „Kirche in der Nähe“. Die große Pfarrei nicht mehr als „Versorgungsraum“, in der es flächendeckend alles überall gibt, sondern Pfarrei als „Ermöglichungsraum“ mit Kristallisationspunkten, mit pastoralen Zentren. Pfarrei nicht mehr als ein Ort der Rekrutierung, der hundertprozentigen Erfassung, sondern der Akzeptanz, dass jeder seinen Weg geht. Pfarrei, ein pastoraler Raum, in dem nicht nur der Pfarrer leitet (Einzelleitung), sondern eine Vielfalt der Leitung existiert (Verantwortlichenteams). Solche Überlegungen stecken noch in den Kinderschuhen, sind längst noch nicht ausgereift, lassen aber jetzt schon große Umbrüche erkennen.

Die Sachkommission II „Missionarisch sein“ hat mich mit ihren Thesen sehr angesprochen. Missionarisch sein ist eine Grundhaltung. „Jeder Mensch hat nicht eine Mission, sondern ist Mission“ wird Papst Franziskus zitiert. Jeder ist in der Lage mit seinen Gaben den Sehnsüchten seiner Mitmenschen zu begegnen, Auskunft zu geben von der Hoffnung, die uns trägt. Mission geht nicht durch Belehrung, sondern nur in Begegnung. Nicht sagen, wo es lang geht, sondern lange mitgehen! Mission verändert beide Seiten. Am anderen lernen, wie ich ihm die Botschaft überliefern kann. Eine spannende Perspektive.

Gäste aus Bolivien machen Mut

Ganz still war es in der Halle, als Gäste aus unserem Partnerbistum in Bolivien ans Mikrofon traten: ein Bischof, eine Frau und ein Jugendlicher. „Wir sind vielleicht wie die Emmaus-Jünger“, sagte die Bolivianerin. „Wir haben Angst vor der Zukunft, aber der Herr ist längst dabei.“ Und der Appell des Jugendlichen erntete großen Applaus: „Hört den jungen Menschen aus eurer Diözese zu! Jugendliche sind kreativ!“

Nach dem Abendessen kam dann doch noch der Feiertag zu seinem Recht. Das Dekanat Saarbrücken hatte für die Synodalen ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Kulturprogramm zusammengestellt, mit dem man die saarländische Landeshauptstadt erkunden konnte. 

Die Sachkommissionen treffen sich zu internen Arbeitsrunden.

Die Synode in Bewegung! Ergebnisse aus den Arbeitsrunden werden auf Plakatwänden in den großen Versammlungsraum zurückgeschleppt.

Hier Mitglieder der Sachkommission "Familie in all ihrer Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit"

Christen aus unserem Partnerbistum in Bolivien zählen zu den Gästen der Synode. Ihre Lebensfreude steckt an.